[phpBB Debug] PHP Notice: in file /viewtopic.php on line 996: date(): It is not safe to rely on the system's timezone settings. You are *required* to use the date.timezone setting or the date_default_timezone_set() function. In case you used any of those methods and you are still getting this warning, you most likely misspelled the timezone identifier. We selected 'Europe/Berlin' for 'CET/1.0/no DST' instead
[phpBB Debug] PHP Notice: in file /viewtopic.php on line 996: getdate(): It is not safe to rely on the system's timezone settings. You are *required* to use the date.timezone setting or the date_default_timezone_set() function. In case you used any of those methods and you are still getting this warning, you most likely misspelled the timezone identifier. We selected 'Europe/Berlin' for 'CET/1.0/no DST' instead
Tourenforum - kaernten.bergrettung.at • Thema anzeigen - Ortler Nordwand (3905 m) - 28.06.2010

Ortler Nordwand (3905 m) - 28.06.2010

Bergtouren ohne Seilgebrauch, inkl. Klettersteige

Moderator: alpendohle

Ortler Nordwand (3905 m) - 28.06.2010

Beitragvon atktkl2416 » Di 29. Jun 2010, 20:02

Ein Bergerlebnis der besonderen Art, die Durchsteigung der Ortler Nordwand, ist Günter und mir bei optimalen Verhältnissen geglückt.

Hier mein Bericht:

Das herrliche stabile Wetter in den Alpen hat Günter und mich zu unserem nächsten großen Ziel nach Sulden geführt, um die Ortler Nordwand zu durchsteigen. Stützpunkt ist die Tabarettahütte auf 2556 m, von der es eine knappe halbe Stunde zum Einstieg ist. Der Weg zur Tabarettahütte geht entweder sehr bequem über den Langenstein Lift (dann noch 150 Höhenmeter und gut 1 Stunde Gehzeit) oder direkt von Sulden (650 HM und knapp 2 Stunden).

Anstieg zur Tabarettahütte
p2.JPG
p2.JPG (169.92 KiB) 9742-mal betrachtet

Der Weg führt an einem Gedenkstein vorbei, auf dem einige Verunglückte der Ortler Nordwand verewigt sind und zum Andenken an alle Opfer und auch an die eigene Vergänglichkeit verweilen lassen. Auch jene sind vermutlich vor diesem Stein gestanden und haben respektvoll den Blick auf das große Ziel der Tour gewandt, in der Hoffnung, kein derartiges Schicksal zu erleiden.

Andenken an die Verunglückten der Nordwand
p4.JPG
p4.JPG (189.26 KiB) 9742-mal betrachtet

Die Tabarettahütte ist der ideale Platz, um sich mit der Route durch die Nordwand und seiner eigenen, inneren Beklemmung ausgiebig auseinander zu setzen. Ist man anfangs beinahe gelähmt unter dem Eindruck dieser mächtigen Wand, lassen einen die Eintragungen in das Nordwandbuch der Hütte etwas aufatmen, wenn man liest, welche ausgezeichneten Bedingungen in der Wand herrschen. So gingen auch wir als einzige Gäste der Hütte sehr früh in unser Lager, denn wir wollten spätestens um 2 Uhr in der Früh starten. Zwei weitere Alpinisten kamen doch noch später zur Hütte, die dann auch kurz nach uns aufstanden und den Weg durch die sternenklare Nacht mit der Stirnlampe am Helm Richtung Einstieg suchten.

Das Ziel des kommenden Tages im Hintergrund
p10.JPG
p10.JPG (175.74 KiB) 9742-mal betrachtet

Der untere Bereich der Wand ist durch die vielen Lawinen mit tiefen Furchen durchzogen. Das erste Nadelöhr erinnert an den Flaschenhals beim Einstieg in die Pallavicinirinne am Großglockner, die Ausmaße sind jedoch ein Vielfaches. Der weitere Aufstieg geht bei wirklich idealen Bedingungen stetig und zügig seilfrei voran, die Spuren von den acht Seilschaften des Vortages erinnern an eine Himmelsleiter und erleichtern das zügige Höherkommen bis unter die zweite Engstelle, die sogenannte Gurgel. Von hier weg ist man gut beraten, sich anzuseilen und die aufsteilende Wand abgesichert zu erklimmen, auch wenn die Bedingungen einen seilfreien Aufstieg zuließen.

Im Morgengrauen unter der Gurgel
p15.JPG
p15.JPG (133.83 KiB) 9742-mal betrachtet

Blick zurück in den unteren Wandteil
p16.JPG
p16.JPG (147.11 KiB) 9742-mal betrachtet

Ab der Gurgel ließen wir die zweite Seilschaft vorklettern, die beiden waren gut unterwegs, entschwanden bald unseren Blicken und ließen die unvermeidlichen Schnee- und Eisgeschoße auf uns herab. Die Route folgte der klassischen Messner/Messner gerade hinauf, am ersten Eiswulst rechts und am zweiten links vorbei, bis wir schließlich den letzten, den dritten Eiswulst bezwingen konnten. Dieser Teil der Wand ist mit Abstand der steilste, aber die Verhältnisse waren wirklich optimal, kaum Blankeis, aber immer noch gut zum Setzen der Eisschrauben. Wir gingen am laufenden Seil, d.h. solange, bis der Vorsteiger alle Eisschrauben aufgebraucht hat, erst dann holte er den Nachsteiger bis zum Stand ein. Somit durchstiegen wir diesen Abschnitt mit fünf Zwischenständen.

Unterhalb des dritten Eiswulstes
p17.JPG
p17.JPG (145.84 KiB) 9742-mal betrachtet

Günter am Stand unter dem 3. Eiswulst
p18.JPG
p18.JPG (160.48 KiB) 9742-mal betrachtet

Ein atemberaubender Tiefblick
p19.JPG
p19.JPG (212.39 KiB) 9742-mal betrachtet
Zuletzt geändert von atktkl2416 am Fr 2. Jul 2010, 15:20, insgesamt 5-mal geändert.
Benutzeravatar
atktkl2416
 
Beiträge: 126
Registriert: Do 17. Dez 2009, 12:47

Re: Ortler Nordwand (3905 m) - 28.06.2010

Beitragvon atktkl2416 » Di 29. Jun 2010, 20:07

Die letzte Seillänge
p21.JPG
p21.JPG (183.71 KiB) 9741-mal betrachtet

Nach dem dritten Eiswulst wird die Wand deutlich flacher, der Ausstieg zum Grat an der linken Seite der Wand eine große Erleichterung. Von hier geht es wieder seilfrei über das letzte Schneefeld aus der Nordwand hinaus und in wenigen Minuten über den Grat zum Gipfel des Ortlers. Was für ein unbeschreiblich schöner und emotionaler Moment, endlich am Gipfel dieses mächtigen Berges zu stehen, nicht über irgendeinen Weg, sondern durch die berühmte Nordwand.

Ortler Gipfel
p23.JPG
p23.JPG (138.39 KiB) 9741-mal betrachtet

Der Ausblick in die nähere Bergwelt zu Königsspitze und Monte Zebru, in die Ferne zu den Ötztaler Alpen mit der Weißkugel ist ebenso herrlich wie hinüber zum nahen Stilfserjoch mit den unendlich vielen Kehren zur Passhöhe. Aber der Gipfel ist erst der halbe Weg, der Abstieg Richtung Payerhütte lange, schwierig und gefährlich. In der Nähe der Biwakschachtel hat man einen einmaligen Blick hinüber zur Nordwand, und wir selbst staunen nur, was uns gelungen ist.

Blick hinüber zur Königsspitze (3851 m) und Monte Zebru (3735 m)
p26.JPG
p26.JPG (204.47 KiB) 9741-mal betrachtet

Abstieg über den Normalweg
p33.JPG
p33.JPG (180.93 KiB) 9741-mal betrachtet

Blick von der Payerhütte zum König Ortler
p38.JPG
p38.JPG (186.3 KiB) 9741-mal betrachtet

Die Julius Payer Hütte auf 3029 m ist wie eine Oase in der wilden Fels- und Eiswelt, eine rettende Labestelle für zwei durstige Bergsteiger. Der Rest des Weges ist einfach und beinahe erholsam, in knapp einer Stunde gelangt man wieder hinunter zur Tabarettahütte, der Eintrag in das Nordwandbuch eine Belohnung für alle Strapazen, die vom Abmarsch bis zur Wiederkehr zur Hütte etwa 12 Stunden dauerten. Einzig die Strecke hinüber zur Bergstation der Langensteiner Bahn ist eine Tortur, weil sie kein Ende nehmen will, deshalb ist der direkte Abstieg nach Sulden der viel bessere Weg.
Berg Heil
Martin
Zuletzt geändert von atktkl2416 am Fr 2. Jul 2010, 15:16, insgesamt 4-mal geändert.
Benutzeravatar
atktkl2416
 
Beiträge: 126
Registriert: Do 17. Dez 2009, 12:47

Re: Ortler Nordwand (3905 m) - 28.06.2010

Beitragvon alpendohle » Mi 30. Jun 2010, 22:41

Herzliche Gratulation! Ich kann einfach nur sagen: "SUPER". Gratuliere euch!!!!

LG
E.
Mein Tourenbuch: www.pirker.org/blog
Benutzeravatar
alpendohle
 
Beiträge: 374
Registriert: Sa 1. Aug 2009, 15:40
Wohnort: Klagenfurt


Topic Tags

Italien, Ortlergruppe

Zurück zu Wanderungen und Bergtouren

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

cron